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Zur fortschreitenden Kirchensituation in Deutschland (16.11.17)

Geschrieben von (pm) am 16.11.2017
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Zur fortschreitenden Kirchensituation in Deutschland

"Ich möchte diesen Abschnitt über die neue Lage der Christen in Deutschland mit einem Hinweis auf den Katholikentag in Leipzig beginnen. Im Mai 2016 erlebten wir dort ein schönes, großes Fest. Tausende von Menschen zogen mit ihren grünen Katholikentagsschal durch die Innenstadt und schienen die Stadt zu dominieren. Sicher handelte es sich um ein bedeutendes Ereignis. Aber – nur zwei Wochen zuvor hatte in derselben Stadt das „Wave – Gotik –Treffen“ stattgefunden. Nur die wenigsten unter Ihnen werden etwas damit anfangen können. Es handelt sich um ein Festival, das seit 1992 jährlich in Leipzig stattfindet. Mit derzeit fast 23.000 Besuchern ist es eine der größten Veranstaltungen der sogenannten „Schwarzen Szene“. Wie war nun wohl die Wirkung in Leipzig. Waren wir nur die anderen, nicht weniger merkwürdigen Gestalten nach den weiß geschminkten mit den schwarzen Klamotten? Wir bewegten uns in einer Stadt mit 4,3 Prozent Katholiken unter den knapp 20 Prozent Christen bei 80 Prozent von Menschen, die sich in Leipzig als „normal“ bezeichnen würden. Sie sind nicht Atheisten mit einer klaren Stellung gegen den Glauben. Sie sind nicht einmal mehr kirchenfeindlich eingestellt; sie kennen Kirche und Glauben gar nicht. „Ich glaub nichts und mir fehlt nichts“ scheint das Motto dieser Menschen zu sein. Karl Rahner formulierte das so: „sie haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben“. Diese Indifferenz dem Glauben gegenüber, ist das Kennzeichen einer drastisch veränderten Welt, in der Kirchen keine große Rolle mehr zu spielen scheinen. Wir leben als Christen in einer zunehmend säkularen Welt. War die Zeit von der Reichsgründung 1871 bis 1945 für Katholiken von der Erfahrung eines Lebens als Minderheit in einem evangelischen Staat geprägt, so war es für den Westen die Erfahrung eines paritätischen Verhältnisses von evangelischen und katholischen Christen in der alten Bundesrepublik. Das änderte sich spätestens nach 1990 drastisch. Deutschland wurde mit der Deutschen Einheit nicht evangelischer, wie es der erste und letzte frei gewählte Ministerpräsident der DDR Lothar de Maizère meinte, sondern säkularer. 1997 waren wir wieder ein Drittel der Bevölkerung: aber neben einem Drittel Evangelischer und einem weiteren Drittel Anderer. Heute sind wir noch 29 Prozent (2,8 Mio.) Katholiken bei 27 Prozent (22,2 Mio.) Evangelischen und 44 Prozent (36,1 Mio.) Anderen. Darunter sind wiederum ca. 5 Prozent andere Christen, Juden und Andersgläubige und ca. 5 Prozent Muslime. Diese Anteilswerte verändern sich Jahr für Jahr nicht vor allem durch Austritte, sondern durch das negative Saldo aus Taufen und Bestattungen."

 


Letzte Änderung: 16.11.2017 um 08:55

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