Zitate von Heiligen

Hl. Maximus von Turin - 1

Geschrieben von (ksf) am 11.03.2011
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Predigt Nr. 16; PL 57, 561, CC Predigt 51, S. 206: „Vom Wort leben, das aus Gottes Mund kommt“

 

Der Retter antwortet dem Teufel: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort Gottes“. Das will heißen: „Er lebt nicht vom Brot dieser Welt, auch nicht von der materiellen Nahrung, derer du dich bedient hast, um Adam, den ersten Menschen, zu täuschen, sondern vom Wort Gottes, von seinem Logos, der die Speise des himmlischen Lebens enthält“. Das Wort Gottes nun ist Christus, unser Herr; so sagt auch der Evangelist: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott“ (Joh 1, 1). Wer sich also vom Wort Gottes ernährt, braucht keine irdische Nahrung mehr. Denn wer sich mit dem Brot des Herrn stärkt, kann nicht das Brot dieser Welt begehren. Denn Herr hat sein eigenes Brot, oder besser: der Herr ist selber Brot; das lehrt er uns, wenn er sagt: „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“ (Joh 6, 41). Und von diesem Brot spricht der Prophet, wenn er sagt: „Brot stärkt das Menschenherz“ (Ps 104, 15).

Was soll ich mit einem Brot, das der Teufel anbietet, wenn ich Brot habe, das Christus austeilt? Was soll ich mit einer Kost, die Ursache ist für die Vertreibung des ersten Menschen aus dem Paradies? Einer Speise, durch die Esau sein Erstgeburtsrecht verlor... (Gen 25, 29) und die Iskariot als Verräter kennzeichnete (Joh 13, 26f)? Adam hat das Paradies tatsächlich wegen etwas Essbaren verloren, Esau hat auf sein Erstgeburtsrecht wegen eines Linsengerichtes, und Judas auf seine Stellung als Apostel wegen eine Bissen Brotes verzichtet; denn in dem Augenblick, in dem er den Bissen Brot nahm, hörte er auf, ein Apostel zu sein, und wurde zum Verräter. Die Nahrung, die wir zu uns nehmen müssen, soll nicht dem Teufel, sondern dem Herrn den Weg bereiten; sie soll denjenigen, der sie zu sich nimmt, in einen Bekenner des Glaubens und nicht in einen Verräter verwandeln.

Der Herr hat Recht, wenn er uns in dieser Fastenzeit sagt, dass das Wort Gottes nahrhaft ist. Damit will er uns beibringen, dass wir unsere Fastenzeiten nicht mit weltlichen Sorgen verbringen, sondern mit dem Lesen heiliger Texte. Wer sich von der Schrift ernährt, vergisst wirklich den Hunger des Leibes; wer sich vom Wort Gottes ernährt, vergisst, dass er Hunger hat. Das ist die Speise, die die Seele ernährt und den Hunger stillt...: sie verleiht das ewige Leben und beseitigt die Fallstricke der teuflischen Versuchung. Das Lesen der heiligen Texte bedeutet Leben, und der Herr bestätigt es uns: „Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben“ (Joh 6, 63).

 

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Aus: Predigt 10, über die Geburt des Herrn, PL 57, 24: „Geboren aus dem Vater vor aller Zeit..., hat er Fleisch angenommen von der Jungfrau Maria“ (Credo)

 

Wie wir lesen, liebe Brüder, gibt es in Christus zwei Geburten; die eine wie die andere ist Ausdruck einer göttlichen Macht, die unser Begreifen übersteigt. Einerseits zeugt Gott aus sich selbst seinen Sohn; andrerseits hat ihn eine Jungfrau durch das Eingreifen Gottes empfangen... Einerseits wird er geboren, um das Leben zu erschaffen; andrerseits, um den Tod zu beseitigen. Dort wird er aus dem Vater geboren, hier ist er in die Welt um der Menschen willen gesandt worden. Durch seine Geburt aus dem Vater steht er am Anfang des Menschen; durch seine Geburt als Mensch befreit er den Menschen. Die eine wie die andere Form der Geburt lässt sich nicht in Worte fassen, und zugleich sind beide nicht von einander zu trennen...

Wenn wir lehren, dass es zwei Geburten in Christus gibt, wollen wir damit nicht sagen, dass der Sohn Gottes zweimal geboren wird, sondern wir stellen die Dualität der Natur in ein und demselben Sohn Gottes heraus. Einerseits ist der geboren worden, der bereits existierte; andrerseits ist der erzeugt worden, der noch nicht existierte. Der selige Evangelist Johannes sagt es mit diesen Worten: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“, und weiter: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“

Gott also, der bei Gott war, ist aus ihm hervorgegangen, und das Fleisch Gottes, das nicht in ihm war, ist hervorgegangen aus einer Frau. So ist das Wort Fleisch geworden, freilich nicht in der Weise, dass Gott sich im Menschen aufgelöst hätte, sondern damit der Mensch in Gott herrlich erhoben werde. Deshalb ist Gott nicht zweimal geboren worden, sondern durch diese beiden Arten von Geburten – d. h. die Gottes und die des Menschen – wollte der einzige Sohn des Vaters selber gleichzeitig Gott und Mensch sein in einer einzigen Person: „Wer also könnte von seiner Geburt berichten?“ (Jes 53, 8 Vulg)

 

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Predigt 36; PL 57, 605: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat“ (Ps 118, 24)

 

Brüder, lasst uns in Freudenrufe ausbrechen, heute wie gestern. Wenn auch das Dunkel der Nacht unser Freudenfest unterbrochen hat, so ist der heilige Tag doch noch nicht zu Ende...: das Licht, das die Freude am Herrn verbreitet, ist ewig. Christus hat uns gestern erleuchtet; heute noch strahlt sein Licht. „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“, sagt der selige Apostel Paulus (Hebr 13, 8). Ja, Christus ist für uns zum Tag geworden. Für uns ist er heute geboren, wie Gott, sein Vater, es mit der Stimme Davids ankündigt: „Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt“ (PS 2, 7). Was bedeutet das? Dass er seinen Sohn nicht an einem Tag gezeugt hat, sondern dass er ihn als Tag und Licht gezeugt hat...

Ja, Christus ist unser Heute: lebendiger Glanz ohne Ende, unablässig strahlt er auf das All herab, das er trägt (Hebr 1, 3), und das ewige Leuchten erscheint wie ein einziger Tag. „Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist“, ruft der Prophet (Ps 90, 4). Ja, Christus ist dieser einzige Tag, weil auch die Ewigkeit Gottes eine einzige ist. Er ist unser Heute: die Vergangenheit, die entschwunden ist, hat er fest in der Hand; die unbekannt Zukunft birgt für ihn keine Geheimnisse. Er ist das unumschränkte Licht, er umfasst alles, kennt alles, ist zu allen Zeiten gegenwärtig und ist ihr Herr. Vor ihm kann die Vergangenheit nicht in sich zusammenstürzen und die Zukunft sich nicht verbergen... Dieses Heute ist nicht die Zeit, in der er dem Fleisch nach aus der Jungfrau Maria geboren wurde, auch nicht die Zeit, zu der er der Göttlichkeit nach aus dem Mund Gottes, seines Vaters hervorgeht, sondern die Zeit, zu der er von den Toten auferweckt ist: „Er hat Jesus auferweckt“, sagt der Apostel Paulus; so „wie es schon im zweiten Psalm heißt: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt“ (Apg 13, 33).

Er ist wirklich unser Heute; er steigt empor aus tiefer Höllennacht und wirft seinen Glanz auf die Menschen. Er ist wirklich unser Tag. Die finsteren Anschläge seiner Feinde konnten ihn nicht trüben. Es gibt keinen Tag, der das Licht hätte besser aufnehmen können; den er hat allen Toten das Licht und das Leben wiedergegeben. Das Alter hatte die Menschen in den Tod gezogen; er hat sie in der Kraft seines Heute auferstehen lassen.

 

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CC Predigt 62, 261f; PL 57, 537

«Ich stelle für meinen Gesalbten ein Licht auf» (Ps 132,17)

Als die ganze Schöpfung von der Finsternis des Teufels überwältigt war und die Dunkelheit der Sünde auf der Welt herrschte, hat eine neue Sonne, Christus unser Herr, in diesen letzten Zeiten, in der schon fortgeschrittenen Nacht, die ersten Strahlen eines aufkommenden Tages verbreiten wollen. Vor dem Erscheinen dieses Lichtes, also bevor „die Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal 3,20) sich zeigte, hatte Gott durch seine Propheten – und das war wie eine Morgenröte – angekündigt: „Ich habe meine Propheten vor dem Licht ausgeschickt“ (Jer 7,25 Vulg). Später hat Christus selber seine Strahlen, das heißt seine Apostel gesandt, damit sich niemand in der Dunkelheit verirrt...

Wir Menschen haben, um die vor dem Sonnenaufgang unerlässliche Aufgaben zu erfüllen, dem Licht eine Lampe vorangestellt. Die Sonne Christi hat nun aber auch eine Lampe, die seiner Ankunft vorausgeht, wie der Prophet in Psalm 132,17 sagt: „Ich stelle für meinen Gesalbten ein Licht auf“. Der Herr sagt uns, um welche Lampe es sich handelt, und sagt über Johannes den Täufer: „Er ist die Lampe, die brennt und leuchtet“. Und Johannes selber sagt, als wäre er der schwache Schein einer Laterne, die man vor sich herträgt: „Es kommt aber einer der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren: er wird euch mit dem Heiligen Geist und Feuer taufen“ (Lk 3,16). Zur gleichen Zeit, als er erkannte, dass sein Licht von den Strahlen der Sonne überstrahlt werden würde, sagte er voraus: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30). Und tatsächlich, so wie der Lichtschein einer Laterne verblasst, wenn die Sonne aufgeht, so hat die Taufe der Umkehr des Johannes beim Aufkommen der Gnade Christi ihre Kraft verloren.

 

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Predigt 57, über die Geburt von Johannes dem Täufer, 1; PL 57, 647

«Deine Frau wird dir einen Sohn gebären... Große Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen»

 

Gott hatte Johannes den Täufer dazu vorherbestimmt, die Freude der Menschen und des Himmels anzukündigen (Lk 1,14). Aus seinem Mund hat die Welt die wunderbaren Worte vernommen, die das Kommen unseres Erlösers, des Lammes Gottes (Joh 1,29), ankündigen. Als seine Eltern alle Hoffnung auf einen Nachkommen verloren hatten, sandte der Engel, Bote eines gewaltigen Geheimnisses, ihn sogar schon vor seiner Geburt (Lk 1,41), um dem Herrn als Zeuge zu dienen...

Als sie ihn unter ihrem Herzen trug, erfüllte er den Schoß seiner Mutter mit überirdischer Freude... Im Evangelium stehen ja folgende Worte, die Elisabeth zu Maria gesprochen hat: „Als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Lk 1,43-44)... Sie, die sich im Alter kränkte, ihrem Mann kein Kind geschenkt zu haben, gebar auf einmal einen Sohn, der überdies Bote des ewigen Heils für die ganze Welt war. Und ein Bote der Art, dass er schon vor seiner Geburt das Privileg seines zukünftigen Dienstes ausübte, als er durch die Worte seiner Mutter seinen prophetischen Geist kundtat.

Dann öffnete er mit der Kraft des Namens, den ihm der Engel vorher gegeben hatte, seines Vaters Mund, der infolge des Unglaubens verschlossen war (Lk 1,13.20). Denn wenn Zacharias stumm geworden ist, so nicht deswegen, um es zu bleiben, sondern um durch ein Eingreifen des Himmels den Gebrauch der Zunge wiederzuerlangen und durch ein vom Himmel kommendes Zeichen zu bestätigen, dass sein Sohn ein Prophet sei. Das Evangelium sagt ja von Johannes: „Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen“ (Joh 1,7-8). Gewiss war er nicht das Licht, aber er war ganz im Licht, er, der würdig war, vom wahren Licht Zeugnis abzulegen.

 

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CC Predigt 5, PL 57, 863

«Fürchte dich nicht, Zacharias, dein Gebet ist erhört worden»

Die Empfängnis von Johannes dem Täufer ist auf das Gebet und nicht auf ein sexuelles Verlangen zurückzuführen. Der Schoß Elisabeths war zu alt, um noch Leben hervorzubringen, ihr Leib hatte die Hoffnung, noch zu empfangen, aufgegeben. Obwohl also keine Hoffnung bestand, hat das Gebet des Zacharias es erreicht, dass dieser alte Körper noch einmal fruchtbar wurde: die Gnade, nicht die Natur hat die Empfängnis des Johannes bewirkt. Dieser Sohn, dessen Geburt weniger auf eine Umarmung als vielmehr auf das Gebet zurückzuführen ist, konnte nicht anders als heilig werden.

Wir dürfen uns jedoch nicht darüber wundern, dass Johannes eine so glorreiche Geburt verdient hat. Die Geburt des Vorgängers Christi, der ihm den Weg bereitete, sollte eine Ähnlichkeit mit der Geburt des Herrn, unseres Retters, aufweisen. Ist der Herr von einer Jungfrau geboren worden, so wurde Johannes von einer alten und unfruchtbaren Frau empfangen. Wir bewundern deshalb Elisabeth sehr, die in ihrem hohen Alter empfangen hat, und nicht weniger Maria, die ihr Kind als Jungfrau zur Welt brachte.

Ich glaube, darin liegt ein Symbol. Johannes stand für das Alte Testament; er ist aus dem schon erkalteten Blut einer alten Frau erwachsen, während der Herr, der die Gute Nachricht vom Himmelreich bringt, die Frucht einer kraftvollen Jugend ist. Maria, die sich ihrer Jungfräulichkeit bewusst war, bewunderte das Kind, das sich in ihren Bauch barg. Elisabeth, die sich ihres hohen Alters bewusst war, schämte sich ihres durch die Schwangerschaft schwer gewordenen Leibes. Der Evangelist berichtete ja: „Sie lebte fünf Monate lang zurückgezogen“. Wir müssen auch voll Bewunderung feststellen, dass beide Geburten vom Erzengel Gabriel angekündigt wurden. Dem Zacharias, der nicht glauben kann, bringt er einen Trost; Maria, die er voll Vertrauen vorfindet, ermutigt er (Lk 1,26f). Zacharias hat wegen seines Zweifels seine Stimme verloren; Maria hat zum Lohn dafür, dass sie sofort glaubte, das Wort Gottes, den Retter empfangen.

 

 


Letzte Änderung: 10.02.2013 um 04:51

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